Die Geschichte des Tierparks

Ein ganzes Jahrhundert ist es nun schon her, dass sich Leute zusammenfanden die neben der täglichen Arbeit noch Muse hatte sich der Geflügelzucht zuzuwenden. Sie erbrachte doch Einer und Fleisch und das immer frisch und gesund.

Unter der Oberhoheit des landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen gründeten sie einen Verein zur Förderung der Nutzgeflügelzucht. Hoch gesteckte Ziele des Vereins waren in Liebe zur Natur den Menschen in der immer mehr technisierten Welt Ablenkung und Entspannung zu bieten, dabei aufmerksam und rentabel den häuslichen Speiseplan durch frische, natürliche und somit gesunde Nahrungsmittel zu bereichern.

Der Landesveterinärsrat Alfred Blume und Otto August Schneider, beide der Grßherzoglichen Oldenburgischen Regierungsbehörde des Fürstentums Birkenfeld beamtet, riefen gleichgesinnte Tierfreunde zur Gründung eines Vereins auf.



Im neu erbauten „Oldenburger Hof“ wurde aus der Idee Wirklichkeit. Es war das Jahr 1907 als der „Nutzgeflügelzuchtverein Birkenfeld und Umgebung“ entstand. Freizeitler aus der Stadt und Landwirte aus den Dörfern der Umgebung widmeten sich fortan dem heheren Ziel und dem Betstreben die Landestierzucht zu verbessern. Die Großtierzucht wurde schon früher von Regierungsseite gefördert und sogar prämiert. Die neuen Zuchtfreunde wollten bei der Nutzgeflügelzucht jedoch weg von der planlosen Kreuzungszucht und hin zum Rassehuhn und somit weg vom wirren unkontrollierten Hühnerhof zu einer Geflügelzucht, die durch richtige Haltung, Pflege und Fütterung eine größere Leistungsfähigkeit bringen sollte.

Schon bald zeigten sich die ersten Erfolge mit den vorbildlich organisierten Ausstellungen auf lokaler und auf Kreisebene.

Die eifrigen Anfänger konnten dann im Jahre 1911 auf der ersten großen allgemeinen Geflügelschau viel Aufsehen und Anerkennung erringen. Die Aussteller kamen aus dem Saargebiet bis nach Saarbrücken, auch aus Hermeskeil und Trier, sogar einzelne aus Westfalen und aus Oldenburg. Insgesamt wurden 426 Tiere gezeigt. Damals war die bäuerliche Beteiligung bei den Ausstellern noch vorherrschend (so steht es im alten Katalog), denn sie kamen in beachtlicher Zahl aus Achtelsbach, Dienstweiler, Ellweiler, Elchweiler und so weiter. Die Lokalität dieser großen Schau war der „Supp’sche Saal“ in der Achtstraße (später Musikheim), worin auf langen Tischreihen die neuen Drahtkäfige standen, darunter unter weißen Bettlaken versteckt die Transportbehältnisse, meist Hühnerkörbe, Kartons und Holzlattenkästen.

Auf diesen Erfolg mit der gr0ßen Besucherzahl aufbauend erlebte der neue Verein eine stetige Aufwärtsentwicklung. Neben den anfangs zahlreichen Landwirten gesellten sich zunehmend Angehörige andere Berufe, die sich der Rassegeflügelzucht widmeten, später überwogen dieselben.



Der Gründungsvater und 1. Vorsitzende leitete die Vereinsarbeit fast zwei Jahrzehnte bis zu seiner Pensionierung. Ihm folgte das Gründungsmitglied Otto August Schneider, der die Führung 28 Jahre innehatte, bis der 2. Weltkrieg zwar nicht für die Kriegszeit besonders notwendige Geflügelhaltung beeinträchtigte, jedoch Ausstellungen und gesellschaftliche Aktivitäten zum Erliegen brachte. Viele Zuchtfreunde mussten zum Militär und somit ging in dieser Zeit die Fütterung, die Hege und Pflege in die Betreuung durch die Großmütter, Mütter und Kinder über.

Das Kriegsende und die nachfolgende Besatzungszeit brachte viele Veränderungen mit sich, insbesondere die verordnete Auflösung der Vereine.

Eine Wiederzulassung beziehungsweise Neugründung konnte bei der Militärregierung nur von politisch nicht belasteten Personen erreicht werden. Hierfür stellte sich der langjährige Zuchtfreund Heinrich Brucker zur Verfügung, der zusammen mit Frau Gretel Hub bei der französischen Militärregierung die Genehmigung zur Neugründung des Vereins mit dem neuen Namen „Rassengeflügelzuchtverein Birkenfeld und Umgebung“ erreichte.
Heinrich Brucker übernahm auch das Amt des 1. Vorsitzenden für die folgenden drei Jahre und Gretel Hub wurde Schriftführerin. Die alten Zuchtfreunde und neu Hinzugekommene gingen ihrer so geliebten Beschäftigung nach, organisierten wieder jährliche Geflügelschauen, auch schon am 4. Dezember 1948 die erste Kreisaustellung in der Jahnturnhalle. Von ihr ging damals eine starke Werbewirkung aus und der Verein nahm von da an einen sehr guten Aufschwung, der lange anhielt.

Georg Kreppelt, ein erfahrener und langjähriger Aktivist in der Kleintierzucht, übernahm für weitere 5 Jahre den Vereinvorsitz. In seine Zeit fallen regelmäßige Vereinsschauen, insbesondere auf dem jährlich stattfindenden Prämienmarkt, der von der Landbevölkerung immer stark besucht war, statt. Man wollte damit den Gedanken der Rassegeflügelzucht auch dem Landwirt wieder näher bringen.

In der Jahresversammlung 1954 übernahm der bis dahin 2. Vorsitzende Adolf Lorenz die Vereinsleitung für die nächsten 15 Jahre. In dieser Epoche vollzog sich die Industrialisierung der Geflügelzucht von der Farmhaltung zur Hallenhaltung mit Batteriekäfigen. Die Rassengeflügelzucht in den Vereinen blieb vorerst von dieser Entwicklung wenig berührt. Vielmehr bahnte sich eine Vorliebe für das Zwerghuhn an, das bei weniger Raum und halben Futter noch recht zufrieden stellende Legeresultate erbrachte. Die Birkenfelder Hühnerzucht konnten im Wettbewerb mit anderen Vereinen an den Kreis- Landes- und nationalen Schauen bestens bestehen und viele Preise erringen.

Im Jahre 1969 übernahm der Zuchfreund Hans Gayer den Vorsitz des Vereins.

Der Stadtentwicklung folgend wurden immer mehr Baulücken geschlossen, größere Wohnsiedlungen entstanden ringsum den Stadtrand und die darin Wohnenden wollten den frühmorgenlichen Hahnenschrei nicht mehr hören. Viele empfanden das Krähen der Hähne oft schon als ruhestörenden Lärm.



Bald gab es eine tragbare Lösung des Problems, als der von Hauptfeldwebel Wissmann draßen vorm dem „Schönewald“ erbaute Vogelpark übernommen werden konnte. Wissmanns Wegzug von Birkenfeld ermöglichte unter Mithilfe der Stadt, dass der Verein Grund und Boden erwerben konnte und der Vorbesitzer für den Erbauungsaufwand entschädigt wurde.

Zum Übernahme-Zeitpunkt der Anlage in die Obhut des Geflügelzuchtvereins im Jahre 1972 bestand dieselbe nur aus Vogelvolieren verschiedener Größe, einem Taubenhaus und zentral gelegen als Blickfang die Unterkunft einiger große Papageien, sowie einem achteckigen Eingangspavillon. All dies natürlich in preiswerter Holzbauweise, deren Lebensdauer abzusehen war.

Durch den Verein folgte ein zügiger Ausbau zur Gemeinschaftszuchtanlage mit erweitertem Tierpark. Hierbei wurde anfangs viel improvisiert. Eine alte Unterkunftsbaracke gab die Elisabeth-Stiftung, die abgebaut, transportiert und wieder aufgebaut werden musste. Für weitere Hühnerställe dienten Barackenteile von der Bundeswehr. Vor der Erstellung mussten die Fundamentierungsarbeiten geleistet werden.
Von früh bis spät wurde geplant, gehackt und geschaufelt. Das kleine Heer von Züchtern und Tierliebhabern opferte jede freie Stunde um das gesteckte Ziel, den Vogel- und Geflügelfreunden eine Heimstatt und den Besuchern der Kreisstadt und ihrer Umgebung ein Ausflugsziel zu bieten, was besonders jungen Familien mit ihren Kindern viel Freude geben solllte.

Ein positiver Lernzweck wurde dadurch erreicht, dass mit Bezeichnungsschildern das Wissen und Erkennen der unterschiedlichsten Rassen und Arten vermittelt werden konnte. Ständig anwesende Vereinsmitglieder erklärten und erläuterten den Besuchern den Nutzen den wir von der Tierwelt haben, ebenso die Verpflichtung diese Gabe der Natur der Nachwelt zu erhalten.

Erfreulicherweise wuchs die Zahl der Besucher stetig an. Hierfür musste die Aufenthaltsunterkunft erweitert werden, um die zahlreichen jungen und älteren Gäste bewirten zu können. Für ewig hungrige erstellten die Zuchtfreunde eine geräumige Grillhütte, um Würstchen zünftig zu braten und den üblichen Spießbraten, das heimische Spezialgericht, fachgerecht zu garen. Die obligatorischen und jährlich stattfindenden Lokalschauchen brauchten eine Ausstellungshalle, denn in der Stadt stand kein passender Saal nicht mehr zur Verfügung, worin die Geflügelzüchter ihre Tiere präsentieren konnten.

Aus dieser Notwendigkeit heraus beschloss der Verein eine eigene Halle in passender Größe zu erbauen. Mit Unterkellerung für mehrere Ställe, darüber die große Halle für Ausstellungen und Gruppenzusammenkünfte war schon einiges zum notwendigen Ausbau getan. Als nächstes wurde das alte, kleine Vereinsheim abgebrochen und ein neues modernes Gastronomiegebäude mit Küche, Lagerraum, Veranda und neuer Toilettenanlage erbaut. Der ganze Bautrakt bildet heute, architektonisch gesehen, eine gelungene und ansprechende Einheit. Neu erbaut wurde auch der Eingangsbereich und der große Parkplatz neu gestaltet. Das Bauen, Verbessern und Unterhalten erforderte unablässiges Werken aller Mitglieder und Helfer, also eine nicht zu unterschätzende Leistung, wobei nicht vergessen werden sollte, dass zusätzlich die regelmäßige Fütterung der uns anvertrauten Tiere zu besorgen war.

Das Gehege beherbergt und umfasst zur Zeit circa 310 Tiere. Es sind dies unter anderem etwa 20 Stück Damwild, 6 Esel, Schafe, Zwergziegen, Ponys, ein Lama, asiatische Zwergschweine, Erdhörnchen, Meerschweinchen, Schildkröten, dazu die große Anzahl der etwa 60 gefiederten Tiere, wie Fasane, Pfaue, viele Tauben und fast 100 Sittiche und Papageien. Heute ist die Tierparkanlage ein beliebtes Ziel für junge Familien mit ihren Kindern. Der freie Eintritt wird nur möglich bleiben, wenn die Spendenbereitschaft der Besucher und der anderen heimischen Körperschaften entsprechend hoch bleibt. Um die Anerkennung der „Gemeinnützigkeit“ bei der Finanzbehörde zu erreichen, musste der Vereinsname geändert werden und heißt heute:
Tierpark Birkenfeld
ehemals Kleintierzuchtverein 1907 e.V.

Fast 150 eifrige Mitglieder und Helfer mit ihrem seit 1992 fungierenden Vorsitzenden Bernd Wahl besorgen dort die regelmäßig anfallenden Arbeiten in der Anlage, versorgen und füttern die vielen Tiere regelmäßig übers Jahr und lassen ihnen eine gute Hege und Pflege angedeihen zur Freude und Erbauung der Besucher, auch zur eigenen Zufriedenheit im Bewusstsein einen Beitrag zur Erhaltung der heimischen Kultur und Natur geleistet zu haben.

Besuchen Sie uns oft und spenden Sie den Tieren einen Futtergroschen an der Pforte des Tierparks, sodass die Birkenfelder Kleintierzüchter hoffnungsvoll in das zweite Jahrhundert ihres Bestehens gehen können.




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